Den Abstand verkürzen und die Menschen mit Wasser versorgen - September 2019

von Dennis Wolter

Im September 2019 besuchte ich Shorten the Distance in Kasungu/Malawi. Ich war auf dem Weg von einem Festival am Ufer des Malawisees zurück in die Hauptstadt Lilongwe. Mit dabei war Victor, ein Solaringenieur, der an einem großen Solarparkprojekt auf halbem Weg zwischen Kasungu und dem Malawisee arbeitet. Ich arbeite als Projektkoordinator für die in Deutschland ansässige NGO Viva con Agua, für die ich Trinkwasser- und Sanitärprojekte auf dem afrikanischen Kontinent koordiniere und Projektpartnerschaften pflege und ausbaue. Vor meiner Ankunft in Malawi hatte ich bereits einen Besuch bei Shorten the Distance in Kasungu vereinbart.

Wir haben uns mit Herrn Nyangu, dem Vorsitzenden von Shorten the Distance, in der Stadt Kasungu getroffen bevor wir gemeinsam zum Gelände fuhren. Herr Nyangu ist ehemaliger Schulleiter und der Bürgermeister des Kasalika Bezirks, in dem sich das Grundstück befindet. Nach einer zehnminütigen Fahrt in den Nordosten von Kasungu erreichten wir das Gebiet, das in naher Zukunft ein Jugendzentrum beherbergen wird. Derzeit sieht das Land noch etwas karg aus, aber die Organisation hat bereits damit begonnen, Obstbäume auf dem Grundstück zu pflanzen. Die Erscheinung der Umgebung ist typisch für peri-urbane Gegenden, wie sie sich in vielen malawischen und afrikanischen Städten im Allgemeinen befinden: verstreute kleine Häuser, die vorwiegend kleinbäuerliche Landwirtschaft betreiben. Zum wirtschaftlichen Verkauf wird hier hauptsächlich Tabak angebaut.

Bild links: Herr Nyangu (links) und Victor (rechts) am Brunnen des Shorten the Distance-Grundstücks in Kasungu.

Bild rechts: Bewohner der umliegenden Häuser - Circa. 10-20 Eimer Wasser werden pro Tag aus dem Brunnen erschöpft.

Herr Nyangu führte uns über das großzügige Grundstück und erklärte ausführlich, welche Arbeiten bereits ausgeführt wurden. Da das Gelände in etwa 500 Metern Entfernung zum Wassernetz der Stadt Kasungu liegt und die umliegenden Haushalte mit Wasserknappheit konfrontiert sind und keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hatten, hat die Organisation zunächst einen handgegrabenen Brunnen mit einer Tiefe von 15 Metern implementiert. Dies ist eine gängige Praxis in Malawi und anderen Ländern Subsahara-Afrikas, bei der ein Loch mit einem Durchmesser von etwa 1 Meter gegraben wird, bis das Grundwasser erreicht ist. Nach der Fertigstellung wird die Struktur durch Ringe aus Beton oder in diesem Fall mit einem Mauerwerk aus gebrannten Ziegeln verstärkt. Derzeit holen die fünf Haushalte in unmittelbarer Nähe mit Eimern und einem Seil Wasser aus dem Brunnen. Aufgrund der geringen Tiefe des Brunnens ist der Ertrag auf ca. 10-20 Eimer pro Tag begrenzt, was einer Brunnenergiebigkeit von etwa 6 Litern pro Stunde entspricht. Shorten the Distance sammelt derzeit Mittel, um eine Handpumpe zu installieren, um das Pumpen von Wasser zu erleichtern, wie sie es bereits an mehreren anderen Brunnen getan haben. Mittel- und langfristig muss der Brunnen jedoch entweder durch eine Vertiefung des bestehenden Brunnens oder durch Bohren eines neuen, tieferen Brunnens erweitert werden, um die Ergiebigkeit der Wasserstelle zu erhöhen. Dies ist nötig, um das Shorten the Distance Gemeindezentrum und den umliegenden Haushalten Zugang zu ausreichenden Wassermengen zum Trinken und andere häusliche Zwecke zu verschaffen.

Darüber hinaus sammelt Shorten the Distance Mittel für den Bau der ersten Struktur des geplanten Jugendzentrums. Hierbei handelt es sich um eine Mehrzweckhalle, die für Workshops, Versammlungen und Veranstaltungen genutzt werden kann, welche durch eine Toilettenanlage ergänzt werden, soll, um ein einladendes Umfeld für alle Besucher des Jugendzentrums zu schaffen. Herr Nyangu stellte uns die technischen Zeichnungen für das Bauwerk vor, die Kosten werden auf rund 10 Millionen Malawi Kwacha (umgerechnet rund 12.000 Euro) geschätzt.

Das Projekt zielt darauf ab, die Lebensbedingungen der umliegenden Haushalte zu verbessern, indem sie einen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten und einen sicheren Ort zu schaffen, um Talente zu fördern und kreative, wirtschaftliche und soziale Kompetenzen von Menschen, insbesondere Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen, zu entwickeln. Wenn Ihnen diese Initiative gefällt, unterstützen Sie bitte Shorten the Distance mit Ihrer Spende, damit die Handpumpe und das Gemeindezentrum realisiert werden! Denn Wasser ist Leben!

 

All 4 Water – Water 4 All!

Perspektivwechsel - September 2019

Nicht nur in Malawi, sondern auch in Deutschland sind wir aktiv. Unsere Projekt-Idee „Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe“ wird an Schulen sowie auch in Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen vorgestellt. Mit unserer zukünftigen jungen Generation wollen wir, „Shorten the Distance“, die Entwicklungszusammenarbeit aus einer neuen Perspektive betrachten. Afrika soll ein neues Bild im Bereich Entwicklungszusammenarbeit bekommen. Der Wille sich zu entwickeln, muss von den Afrikanern selbst kommen, denn: „Man kann niemanden waschen, der nicht gewaschen werden will.“ Der Mensch ist in der Lage Verantwortung zu tragen und sich zu entwickeln, sofern er nicht mehr von anderen abhängig ist.

In den Einrichtungen führen wir mit den jüngeren Generationen einen Dialog und eine Diskussionsrunde zu den folgenden Themen:

  • Warum wird der Afrikanische Kontinent von der westlichen Welt immer arm und hilflos dargestellt?
  • Wie kommt es, dass trotz der viele NGO’s (Non-governmental organization) der Kontinent immer noch nicht weiter entwickelt ist?
  • Macht die Entwicklungshilfe die Menschen nicht noch mehr abhängig?
  • Braucht Afrika Entwicklungshilfe?

Diese spannenden und hoch sensiblen Themen führen zu Gedankenaustausch und hoffentlich einem Wechsel seiner eigenen Perspektive. Gemeinsam tauschen wir unsere verschiedenen Meinungen und Vermutungen aus. Dabei schauen wir auf die aktuelle Lage und die Situation des Afrikanischen sowie auch des Europäischen Kontinent. Inhaltlich beschäftigen wir uns auch mit den kulturellen Unterschieden, mit Bildung und Berufsperspektiven, Lebensumständen, Gesundheit und Chancengleichheit. Mit diesem Austausch wollen wir Interesse und Neugierde bei den Teilnehmern erwecken, um eine weltoffene Denkweise zu entwickeln und um ein eigenes Bild von Afrika zu kreieren. Außerdem geht es darum, Stereotypen, Vorurteile und Stigmatisierung von Menschen mit anderer Herkunft oder Hautfarbe zu vermeiden.

Um das Zusammenleben in der globalisierten Welt besser zu verstehen, spielt Partizipation im Bereich Bildungsarbeit für uns einen sehr wichtigen Aspekt, sei es im In- oder im Ausland. Wir wollen das alle Menschen sich beteiligen: Dass sie mitmachen, mitreden und bei der Organisation helfen. Dieses Bewusstsein kann sich nur weiterentwickeln in dem wir unsere Projekt-Ideen und die Botschaft verbreiten.

 

 

Bild: KJBb Friedrichshain-Kreuzberg

Im Rahmen der Friedrichshain-Kreuzberger Partnerschaften für Demokratie fand das Barcamp „Demokratie leben“ statt, bei welchem wir als Teilnehmer dabei sein konnten und unser Projekt vorstellen durften. Anbei einen Link unsere Beteiligung von Kinder- und Jugend-Barcamps: „Demokratie leben“ & „Stimme der Zukunft“

 

Kinder- und Jugend-Barcamps: „Demokratie leben“ & „Stimme der Zukunft“

Quicklinks

Be smart,  Shorten the Distance


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